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Bundesregierung legt Entwurf für KRITIS-Verordnung vor

heise online · 28. Mai 2026

Das Bundesinnenministerium hat einen Referentenentwurf für die KRITIS-Verordnung vorgelegt. Sie soll klären, wer unter welchen Voraussetzungen als Betreiber kritischer Anlagen gilt - und damit das Nebeneinander von physischem Schutz (CER/KRITIS-Dachgesetz) und IT-Sicherheit (NIS2/BSIG) ordnen.

Kernidee: Wer dem KRITIS-Dachgesetz unterliegt, wird künftig nur noch durch das Dachgesetz und die neue Verordnung bestimmt - auch im Hinblick auf die IT-Sicherheitspflichten nach dem BSI-Gesetz. Das soll die Verwirrung beenden, die durch zwei parallele Regime entstanden ist.

Schwellenwerte als Rechenaufgabe

Der Entwurf enthält umfangreiche Formeln zur Berechnung der Kritikalität. Gemeint sind im Kern 500.000 Versorgungseinheiten, was je Sektor sehr unterschiedlich ausfällt: Schwarzstartanlagen ab 0 Megawatt, LNG-Terminals ab 5.190 GWh, Fernwärme/-kälte ab 250.000 Haushalten, Klärwerke ab einer halben Million Einwohnern, Lebensmittel ab 434.500 Tonnen. Im Gesundheitssektor fallen Krankenhäuser ab 30.000 vollstationären Fällen pro Jahr unter die Regeln, bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln gilt die Marke von 4,65 Millionen Packungen.

Neue Bereiche - bis in den Weltraum

Auch Seekabel-Anlandestationen (ab dem ersten Kabel), Internetaustauschpunkte, Top-Level-Domain-Registries und Content Delivery Networks werden erfasst. Neu hinzu kommt der Sektor Weltraum mit Bodenstationen, Erdbeobachtungsdiensten und Positions-/Navigationsdiensten (PNT). Der Entwurf ist noch in der Diskussion und soll vor der Sommerpause finalisiert werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Verordnung soll physischen Schutz und IT-Sicherheit zusammenführen
  • Sektorspezifische Schwellenwerte statt einheitlicher Größe
  • Neue Bereiche: Seekabel, IXP, TLD-Registries, CDN - und der Sektor Weltraum
  • Finalisierung vor der Sommerpause 2026 geplant

Was das für KRITIS-Betreiber bedeutet

Viele Betreiber müssen erst rechnen, ob sie überhaupt betroffen sind. Der Betroffenheitscheck von Seismo Pulse gibt eine schnelle Ersteinschätzung - die verbindliche Klärung folgt anhand der finalen Schwellenwerte.

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